Aktuelles

Meinungen der Oberbürgermeisterkandidaten anlässlich der Oberbürgermeisterwahl am 15. März 2026 und des amtierenden Oberbürgermeisters zum Wiederaufbau des Grimm’schen Wohnhauses


Das Vereinsprojekt


Die Wiedergewinnung des Grimm´schen Wohnhauses ist ein Anliegen von hohem nationalen und internationalen kulturellen Rang. Das Wohnhaus steht nur wenige Meter vom Nationaldenkmal der Brüder Grimm entfernt. Es bildet eine Ergänzung zum dem Denkmal. Informationen zum Schaffen der Brüder Grimm werden im Grimmhaus gegeben. Mit den Brüdern Grimm verfügt Hanau als Geburtsstadt über ein Erbe der Literaturgeschichte mit weltweitem Renommee. Die Märchensammler und Germanisten Jacob und Wilhelm Grimm und ihr „Malerbruder“ Ludwig Emil sind die bedeutendsten Söhne der Stadt. Dies zieht Touristen aus aller Herren Länder an Main und Kinzig. Ende des 18. Jahrhunderts wohnten sie als Kinder im Haus zur Grünen Linde in der Langstraße 41.

 

Einblicke können geben werden, wie die Familie in Hanau wohnte und in welcher Hanauer Verwandtschaft sie eingebunden war. Als Geburtshaus von Ludwig Emil Grimm und soll es auch seinem Schaffen als früher Karikaturist und Zeichner gewidmet sein. Bislang ehrt die Stadt Hanau den Künstler im Wesentlichen mit der Vergabe des Ludwig Emil Grimm-Preises.

 

Das Haus soll eine zentrale Begegnungsstätte zu Feier und Ehrung der kulturellen und politisch-emanzipatorischen Gesamtleistung der Brüder Grimm werden.

 

Die ersten Pläne für das Grimmhaus sehen verschiedene Nutzungsmöglichkeiten vor. Es können unterschiedlich große Flächen für Ausstellungen, Vorträge, Büros und Wohnzwecke geschaffen werden. Die Büros können für Forschungen zur Familie Grimm und deren Wirken auf den unterschiedlichsten Gebieten genutzt oder für fremde Nutzungen vermietet werden.



Politische Meinungen


Sascha Feldes (Bündnis 90 / Die Grünen) am 8.12.2025: Dem Wiederaufbau des Grimm’schen Wohnhauses stimme ich zu! Wenn wir genug Geld haben oder wir es über Fördermittel oder Spenden finanzieren können, steht eine Historischen Fassade nichts im Wege.


Jochen Dohn (Die Fraktion / Die Linke) am 5.1.2026: Es wäre schön, wenn das so einfach umzusetzen wäre, jedoch sehe ich derzeit keine Möglichkeit dies zu verwirklichen.


Henrik Statz (FDP) am 11.1.2026: Die FDP begrüßt die Überlegungen, die historische Verbindung der Stadt mit dem Leben und Wirken der Brüder Grimm stärker ins Stadtbild zu stellen. Auch gegen einen historischen oder historisierenden Nachbau spricht aus Sicht der FDP nichts. Wichtig wäre bei einem Wiederaufbau ein tragfähiges Nutzungskonzept, eine sinnvolle städtebauliche Einfügung in den umliegenden Baubestand und aufgrund der aktuellen Haushaltslage eine solide privatwirtschaftliche Finanzierung des Baus und des Betriebs. Der Status quo würde einen Wiederaufbau am Schweinemarkt als Fremdkörper wirken lassen, zumal das Haus an einem Ort entstünde, wo es nie gestanden hat. Es wäre somit auch unhistorisch. Eine Realisierung kann aus unserer Sicht auch nur in einem städtebaulichen Gesamtkonzept für das Quartier Langstraße, Fahrstraße, Hammerstraße erfolgen.


Isabelle Hemsley (CDU) am 9.3.2026: Das Erbe der Familie Grimm wird in Hanau sehr hochgehalten. Für Hanau ist dieses Erbe weit mehr als nur Geschichte. Es ist ein zentraler Bestandteil der städtischen Identität und kultureller Strahlkraft. Sichtbar wird das etwa im Brüder-Grimm-Nationaldenkmal auf dem Marktplatz, das zu den bekanntesten Wahrzeichen der Stadt zählt. Für Ideen zur weiteren musealen Darstellung sind wir jederzeit offen. Eine Überlegung zur Einbeziehung der kleinen Wohnhäuser (an der Langstraße) sollte im Kreis der Kulturschaffenden mit der Politik diskutiert werden.


Dr. Maximilian Bieri (SPD) am 12.3.2026: Bei komplexen städtebaulichen Projekten müssen rechtliche, finanzielle und planerische Fragen sorgfältig geprüft werden. Deshalb sollten über solche Entscheidungen zunächst in den zuständigen demokratisch bestimmten Gremien beraten und befunden werden. Unabhängig davon begrüße ich eine breite öffentliche Diskussion über die Zukunft unserer Stadt.


Claus Kaminsky (SPD, Oberbürgermeister) am 28.4.2026: Es braucht kein zusätzliches Grimm-Museum in der Innenstadt. Mit GrimmsMärchenReich im Schloss Philippsruhe haben wir bereits ein etabliertes, erfolgreiches und inhaltlich überzeugendes Angebot. Statt Doppelstrukturen zu schaffen, investieren wir gezielt in die Weiterentwicklung unserer Stadt als Ganzes. Der Bereich in der Langstraße ist inzwischen ein attraktiver Aufenthaltsort. Hier ist eine echte Ruhe-Oase entstanden, mit Sitzgelegenheiten, Spielmöglichkeiten für Kinder, einem Calisthenics-Bereich, Begrünung sowie einer öffentlichen Toilette. Das ist ein Angebot für alle Generationen und entspricht genau dem, was eine lebendige Innenstadt heute braucht.


 

Replik auf die Meinung des Oberbürgermeisters Claus Kaminsky

 

Mangelndes Verständnis für unsere inhaltlichen Forderungen lesen wir in den Äußerungen Kaminskys.

 

Das GrimmsMärchenReich ist wunderbar – für Siebenjährige! Und den vorstehenden Grimm´schen Ausstellungsraum halten wir für museal und atmosphärisch wirklich gelungen. Doch wir möchten eine zentrale Begegnungsstätte zu Feier und Ehrung der kulturellen und politisch-emanzipatorischen Gesamtleistung der Brüder Grimm.

 

Hanau braucht kein Grimm-Haus? Was wäre Frankfurt ohne Goethehaus!

 

Was uns unterdessen in der Baulücke an der Langstraße begegnet, sollen wir annehmen als „… echte Ruhe-Oase …, mit Sitzgelegenheiten, Spielmöglichkeiten für Kinder, einem Calisthenics-Bereich (Trimmdich-Reck zum Muskelaufbau Jugendlicher, d. Verf.), Begrünung sowie einer öffentlichen Toilette … ein Angebot für alle Generationen …“

 

Gerne verzichten wir aber auf solche „Stadt-Belebungs-Tools“ zugunsten eines geschichtswachen Kulturhauses als eine Brücke zu modernen Werten …

 

Mal im Ernst! Dies soll Stadtgestaltung sein? Nahe dem Rathaus?


Reisepass von Jacob Grimm für eine Reise nach Marburg im Jahr 1811 

Jacob Grimm ergriff häufig das Reisefieber. Als junger Gelehrter unternahm er im Jahr 1811 eine wissenschaftliche Reise von Kassel nach Marburg mit dem Ziel, in der dortigen Universitätsbibliothek mittelalterliche Quellen für seine erste eigenständige Veröffentlichung “Über den altdeutschen Meistergesang” zu erschließen.

Das für diesen Zweck ausgestellte Dokument zeigt anschaulich, wie kompliziert das Reisen damals war. Der deutschsprachige Raum war Anfang des 19. Jahrhunderts keineswegs ein einheitliches Staatsgebiet, sondern durch eine weitgehende territoriale Zersplitterung geprägt. Kassel gehörte 1811 zum Königreich Westphalen, Marburg dagegen war Teil des benachbarten Kurfürstentums Hessen. Für Reisen zwischen einzelnen Hoheitsgebieten war deshalb ein offizieller Reisepass zwingend erforderlich. Diese Dokumente dienten nicht nur der Identifizierung und als Einreisegenehmigung, sondern waren auch notwendig, um Zugang zu öffentlichen Einrichtungen wie Bibliotheken und Universitäten zu erhalten. 

 

Aber wie stellte man, im Zeitalter vor der Fotografie, sicher, wirklich Jacob Grimm vor sich zu haben? Pässe aus dem frühen 19. Jahrhundert enthalten nicht nur die auch heute noch üblichen persönlichen Angaben zu Namen, Wohnort, Geburtsort, Staatsangehörigkeit, Augenfarbe und Körpergröße, sondern auch eine Beschreibung von äußerlichen Merkmalen wie Haare, Stirn, Augenbrauen, Nase, Mund, Kinn, Gesicht und Gesichtsfarbe.

Auffallend an dem für Jacob Grimm ausgefertigten Reisedokument ist die zweisprachige Gestaltung des Formulars in Deutsch und Französisch. Kassel, damals Hauptstadt des Königreichs Westphalen, stand unter der Regentschaft von Napoleons Bruder Jérôme Bonaparte, in dessen Namen auch der hier abgebildete Reisepass ausgestellt wurde. Französisch war somit in vielen Verwaltungsangelegenheiten verpflichtend und fungierte darüber hinaus als europäische Diplomatie- und Bürokratiesprache während der napoleonischen Ära.

 

Der Reisepass von 1811 sowie acht weitere Reisepässe von Jacob und Wilhelm Grimm sind neben vielen anderen historisch wertvollen und spannenden Dokumenten Bestandteil des Schriftgutarchivs der Sammlungen der Museumsstiftung Post und Telekommunikation (MSPT), zu der auch das Museum für Kommunikation Frankfurt gehört. Die ältesten Reisepässe haben bereits 1897 ihren Weg in die Bestände gefunden und einer der Pässe von Jacob Grimm wird aktuell auch in der Dauerausstellung des Museums für Kommunikation gezeigt. Erst kürzlich wurden alle Grimm’schen Reisepässe im Archiv der MSPT digital erfasst und sie sind nun für die Öffentlichkeit über die Sammlungsdatenbank der MSPT [https://onlinesammlung.museumsstiftung.de/] neben vielen anderen Dokumenten und Objekten – nicht nur zur Geschichte des Reisens - einsehbar.

 

Lioba Nägele. Alexandra Reimer, 12. August 2025


Hanauer Anzeiger 18. Mai 2024 

Hanauer Anzeiger 18. Mai 2024 (Auszug)

 

Eine von der Kathinka-Platzhoff-Stiftung in Auftrag gegebene Studie macht auf die Seelenlage von Hanauern aufmerksam. Die Stiftung hat das auf tiefenpsychologische Markt- und Medienforschung spezialisierte Rheingold-Institut (Köln) beauftragt, die Befindlichkeiten der Hanauerinnen und Hanauer zu erkunden. Die Studie kommt zu dem Ergebnis:

 

Die Bürger wünschen sich eine vitale Entwicklung der Stadt, die ihnen ermöglicht, stolz auf Hanau zu sein. Die Stadt Hanau braucht daher eine konkrete und die ganze Stadt übergreifende Entwicklungs-perspektive. Die konkrete Entwicklungs-Perspektive kann dabei glaubwürdig die bestehenden Stärken und Potentiale der Stadt aufgreifen:

 

Die Studie nennt beispielhaft: Historische Sehenswürdigkeiten wie Schloss Philippsruhe, Wilhelmsbad und der Geburtsort der Brüder Grimm.

 

(Anmerkung: Hanau als Geburtsort der Brüder Grimm weiterzuentwickeln ist auch das Anliegen des Grimmhaus Hanau e.V.) 


Aktueller Stand des Bürgerbegehrens: www.hanauergrimmhaus.de

Frankfurter Allgemeine Zeitung - 28. September 2023


(Anmerkung des Vereins Grimmhaus Hanau e.V.: Es handelt sich um das Geburtshaus von Ludwig Emil Grimm und das Wohnhaus der Familie Grimm und somit um das Wohnhaus der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm)


Pressemitteilung 18.5.2023: Jacob Grimm in der ersten Reihe der Paulskirche

 

Die vor 175 Jahren am 18. Mai 1848 aufgenommenen Beratungen im Paulskirchenparlament hat der Verein Grimmhaus Hanau zum Anlass genommen, auf die Rolle des großen Hanauer Germanisten Jacob Grimm hinzuweisen. In den Folgemonaten des Jahres 1848 erlebte und gestaltete er eine der spannendsten Phasen in der verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung mit. Der Vorsitzende des 2021 gegründeten Vereins Grimmhaus Hanau, Reinhard Hühn, unterstreicht somit ein weiteres Mal die Notwendigkeit der Etablierung des Grimmhauses in der Geburtsstadt der Brüder Jacob, Wilhelm und Ludwig Emil Grimm. Für das Projekt wurde wie berichtet ein Bürgerbegehren zur Wiedererrichtung des kriegszerstörten Hauses in Gang gesetzt, an dem sich 7200 Bürger beteiligt haben. Zurzeit prüft die Stadtverwaltung die Unterschriften und die übrigen Zulässigkeitsanforderungen.

 

Hühn weist in seiner Mitteilung darauf hin, dass der 1785 geborene Jacob Grimm vom ersten Tag an dem Frankfurter Parlament angehörte, das aus rund 800 Abgeordneten aus dem Deutschen Bund bestand. In ihm waren 34 eigenständigen Fürstentümern und vier Freien Städten zusammengeschlossen. Jacob Grimm galt 1848 als ein bekannter und geachteter Mann. Die Kinder- und Hausmärchen waren zu dieser Zeit bereits veröffentlicht und die Arbeiten am Deutschen Wörterbuch hatte er mit seinem Bruder Wilhelm begonnen. Die Kölnischen Zeitung bezeichnete ihn als „Stern erster Größe“. In der Paulskirche saß er als einziger in der ersten Reihe im Mittelgang auf einem gesonderten Sitz, gegenüber der Rednerbühne und dem Präsidium. Dieser Platz war nicht nur der ehrenvollste, sondern auch betont unabhängig von allen Parteiungen. Politische Kenntnisse brachte er auch mit. Als Beamter im höheren auswärtigen Dienst des Kurfürstentums Hessen sammelte er Erfahrungen.

 

Einfach waren die ersten Gehversuche des Parlamentarismus sicherlich nicht, so der Vorsitzende Reinhard Hühn. Er weist auf einen Brief Jacob Grimms an seine Schwägerin Dorothea vom 8.August 1848 hin. Demnach war er wenig glücklich in den Mauern der Paulskirche unter 2000 tosenden Menschen auf den Zuschauerrängen, die wie die Parlamentarier gegeneinander redeten und haderten. Jacob Grimm hatte insgesamt viermal vor der Versammlung gesprochen und 23mal an Abstimmungen teilgenommen. Dabei sprach er sich insbesondere für eine politisch-pragmatische Verfassung aus. Für ihn verknüpfte sich der Gedanke der Freiheit unauflösbar mit der Idee der Deutschen Einheit.

 

Der Grimmhaus Hanau e.V. spricht sich in der vom Bundespräsidenten angeregten Debatte um hervorzuhebende Orte mit Bezug zur Demokratiegeschichte für die Einbeziehung des wieder zu errichtenden Wohnhauses der Familie Grimm an der Langstraße aus. Hühn: „Das Grimmhaus ist als

Lern- und Erinnerungsort unverzichtbar“.

Quelle - Gabriele Seitz, Die Brüder Grimm, Leben-Werk-Zeit